Nichtschwimmerquote in Neukölln explodiert

Viele Berliner Familien zieht es in den anstehenden Sommerferien in den Badeurlaub. Wie unbesorgt Eltern ihre Kinder im Wasser planschen lassen können, hängt auch vom Wohnbezirk ab. In Neukölln konnten am Ende des letzten Schuljahrs zwei von drei Kindern nicht sicher schwimmen – hatten also maximal das Seepferdchen erworben. Jedes dritte Kind hat überhaupt kein Schwimmabzeichen erworben und gilt damit als Nichtschwimmer. Dazu erklärt Philipp Dehne, bildungspolitischer Sprecher der Linksfraktion Neukölln:

„Kai Wegner lässt die Kinder absaufen, deren Eltern sich privat keinen Schwimmunterricht leisten können. Wenn er das verhindern will, dann muss er deutlich mehr Geld in die Berliner Bäder und in guten Schwimmunterricht investieren.“

„Während Kinder aus besser gestellten Familien häufig schon vor der Einschulung Schwimmen können, sind Kinder aus ärmeren Familien auf den Schwimmunterricht in der 3. Klasse angewiesen. In den letzten Jahren mussten in Berlin immer mehr Bäder schließen. Das führt zu weniger Wasserzeit und schlechteren Bedingungen für den Schwimmunterricht. Das Resultat sehen wir jetzt.“, so Dehne weiter.

Eine bundesweite Studie der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) aus dem Jahr 2022 zeigt einen Zusammenhang zwischen dem Einkommen der Eltern und der Schwimmfähigkeit.  Ob Kinder schwimmen lernen, hängt vom Einkommen der Eltern ab. Dieser Zusammenhang zeigt sich auch in Berlin. Während in Steglitz-Zehlendorf und Charlottenburg zwei von drei Kindern am Ende des 3. Schuljahres sicher schwimmen können, ist es in Neukölln und Lichtenberg nur eines von drei Kindern.

Die DLRG hat bundesweit im vergangenen Jahr 411 tödliche Unglücke in Gewässern verzeichnet. Das sind 31 Todesfälle mehr als in 2023 zuvor. Die Organisation für Wasserrettung stellte zum dritten Mal in Folge einen Anstieg bei der Zahl der Ertrunkenen in Deutschland fest.

Als sicherer Schwimmer gilt, wer mindestens das Bronze-Schwimmabzeichen erworben hat. Das Seepferdchen attestiert lediglich, dass sich ein Kind für 25 Meter über Wasser halten kann. Die Nichtschwimmerquote bezieht sich auf den Anteil an Kindern ohne Schwimmabzeichen. In Neukölln ist die Nichtschwimmerquote von 26 Prozent in 2023 auf 34,7 Prozent in 2024 angestiegen.