Schulamt Neukölln will Grundschulen Räume nehmen. Starke Kritik von Eltern und Lehrkräften bei Sondersitzung des Neuköllner Bildungsausschuss

Die Ankündigung des Bezirksamts, dass mehrere Räume der Schulgebäude der Eduard-Mörike-Grundschule sowie der Rixdorfer Grundschule zukünftig nicht mehr für ihre pädagogische Arbeit genutzt werden können und an die Jugendkunstschule bzw. an die VHS abgegeben sollen, hat an beiden Schulen starken Protest vorgerufen. An der Sondersitzung des Neuköllner Ausschuss für Bildung, Schule und Kultur, den die Linksfraktion in der BVV Neukölln zu diesem Thema für Montag, 1.7., beantragt hatte, nahmen ca. 50 Eltern, Lehrkräfte und Erzieher*innen der beiden Schulen teil. Dort wiederholten Eltern, Beschäftigte und Schulleitung die Kritik an den Plänen des Schulamts.

 

 „Alle reden immer davon, wie wichtig Bildung sei, gerade in Neukölln. Und jetzt sollen zwei Grundschulen Räume gestrichen werden, die sie für ihre pädagogische Arbeit dringend brauchen“, kritisiert Philipp Dehne, bildungspolitischer Sprecher der Neuköllner Linksfraktion. „Das ist vollkommen unverantwortlich gegenüber den Schüler*innen und Lehrkräften und bedeutet eine weitere Verschlechterung der Situation an den Schulen. Hier zeigt sich mal wieder, dass Kürzungspolitik für SPD und CDU wichtiger ist als gute Lern- und Arbeitsbedingungen an Neuköllner Schulen.“

 

Nach Darstellung des Bezirksamts gibt es an Nord-Neuköllner Grundschulen sogenannte „Überkapazitäten“, also Räume, die die Schulen aufgrund geringerer Schüler*innenzahl nicht benötigen. Aus Sicht der Schulen stellt sich das anders dar: In der Sonderausschusssitzung hieß es von der Schulleitung der Eduard-Mörike-Schule, dass der Schule sogar 500 Quadratmeter Raumfläche fehlen, wenn man die Vorgaben des aktuellen Musterraumprogramms zugrunde legt. Schulleitung und Vertreter*innen der Rixdorfer Schule machten deutlich, dass alle Räume aktuell genutzt und benötigt werden. Bei einer Raumabgabe müssten unter anderem die Lernwerkstatt und Teilungsräume geschlossen werden.

 

„Sogenannte „Überkapazitäten“ bedeuten einfach, dass es endlich genug Raum für gute pädagogische Arbeit gibt. Die Schulen brauchen diese Räume für ihre wichtige Aufgabe. Eine weitere Überlastung der Klassenzimmer politisch zu erzwingen, wäre fatal“, kommentiert Dehne die Raumkürzungspläne. „Darüber hinaus legen die prognostizierten Einschulungszahlen nahe, dass es an beiden Schulen zukünftig deutlich mehr Schüler*innen geben wird als bisher.“

 

Aktuell bleiben für die Schulgemeinschaften der beiden Grundschulen viele Fragen offen. Für den Fall, dass es tatsächlich zu der angekündigten Abgabe von Räumen kommen sollte, ist bisher nicht mal geklärt, wie eine räumliche Trennung von Grundschüler*innen und schulfremden Nutzer*innen von VHS bzw. Jugendkunstschule gewährleistet werden kann. Dabei soll an der Eduard-Mörike-Schule die Raumabgabe bereits zum 1.9. erfolgen.

 

„Wir fordern Schulstadträtin Korte auf, dass sie gemeinsam mit den Schulen Lösungen erarbeitet, die für die Schulen funktionieren, dass sie andere räumliche Lösungen für die die VHS und die Jugendkunstschule findet und sich beim Senat mit Nachdruck dafür einsetzt, dass Räume für die Jugendkunstschule und die VHS angemietet werden können“, bekräftigt Dehne die Forderung der Linksfraktion.

 

Hintergrund:

 

Die neuen Schuleinzugsbereiche wurden am Dienstag, 2.7., in der regulären Sitzung dem Neuköllner Bildungsausschuss präsentiert. In den Schuleinzugsbereichen der Region 1, in der die Rixdorfer Schule liegt, gibt es aktuell Plätze für 324 Erstklässler*innen. Bis zum Schuljahr 28/29 soll die Zahl auf 492 potentielle Erstklässler*innen in Region 1 ansteigen. In den Schuleinzugsbereichen der Region 2, zu der die Eduard-Mörike-Schule zählt, gibt es aktuell ebenfalls Plätze für 324 Erstklässler*innen. Hier soll die Zahl der potentiellen Erstklässler*innen auf bis 28/29 kontinuierlich auf 448 anwachsen. Auch vor diesem Hintergrund kritisiert die Neuköllner Linksfraktion die Raumkürzungspläne von Schulstadträtin Korte als kurzsichtig.

 

Die geplanten Kürzungen und die Haushaltslage im Neuköllner Geschäftsbereich Bildung, Schule und Kultur stehen auch am Montag, 8.7., 17-19 Uhr, im Ausschuss für Haushalt, Verwaltung, Klimaschutz und Nachhaltigkeit auf der Tagesordnung. Auch die Frage der Raumkürzungen für die beiden Schulen wird dort erneut Thema sein.