Bezirksamt streicht Musikschulplätze zusammen: Aufnahmestopp in der Musikschule Paul Hindemith Neukölln

2596 Musikschulstunden pro Woche hat die Musikschule Paul Hindemith Neukölln in 2022 im Durchschnitt erbracht. Das sind 90 Musikschulstunden weniger als in 2021. Diese Zahlen gehen aus der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der Linksfraktion Neukölln hervor. Dazu erklärt Philipp Dehne, bildungspolitischer Sprecher der Linksfraktion Neukölln:

Mir macht Sorgen, dass die Zahlen weiter einbrechen und künftig weniger Kinder- und Jugendliche in den Genuss von Musikschulunterricht kommen. Das Bezirksamt stellt keine neuen Verträge aus, auch nicht für gekündigte Verträge, um Kosten zu sparen. Dieser Aufnahmestopp ist in einem Bezirk wie Neukölln, mit extrem hoher Kinderarmut und einem hohen Bedarf an guten Bildungsangeboten, eine desaströse Entwicklung.

Während die durchschnittliche Jahreswochenstunden in den Jahren 2017 und 2018 noch bei 3407 lag, wurden mit Beginn der Pandemie in 2019 viele Verträge gekündigt. Dies führte zu einem Einbruch in 2019 um 30 Prozentpunkte. Seitdem steigt die Anzahl der vertraglich vereinbarten Musikschulstunden nur langsam. In 2021 waren erst knapp 80 Prozent des Niveaus von vor der Pandemie erreicht. Für 2023 konnte die zuständige Stadträtin Karin Korte (SPD) noch keine Zahlen vorlegen.

Auf eine Anfrage von Dehne in der Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung am 24.1.23 bestätigte Stadträtin Korte, dass das Bezirksamt aufgrund der Haushaltssperre keine neuen Verträge mit Musikschüler*innen abschließt. Auf Nachfrage bestätigte sie, dass sogar die Kündigungsfrist ausgesetzt ist, sodass Vertragskündigungen durch Schüler*innen sofort wirksam werden. Dies dürfte den Stundenrückgang noch zusätzlich verstärken. Darunter leiden in erster Linie die freien Musikschullehrkräfte. Dazu Dehne:

Die Honorarkräfte mussten während Corona überdurchschnittlich stark einstecken. 30 Prozent weniger Unterricht bedeutet auch 30 Prozent weniger Honorare für die hoch engagierten Musikschullehrer*innen. Jetzt die Verträge nicht wieder aufzufüllen und die Verträge fristlos enden zu lassen, ist daher auch äußerst ungerecht gegenüber den freien Mitarbeitenden. Und Kinder und Erwachsene, die bereits seit Längerem auf Wartelisten für den Musikunterricht stehen, schauen ebenso in die Röhre. Hier gibt es nur Verlierer, keine Gewinner.

Im August 2022 war eine Honorarerhöhung für die über 200 freien Musikschullehrkräfte in Neukölln in Kraft getreten. Während das Bezirksamt die Mehrkosten in 2022 noch aus regulären Haushaltsmitteln finanzieren konnte, gab es für 2023 eine Zusage der Senatsverwaltung für Finanzen, den Mehrbedarf in Höhe von 170.000 Euro für die Honoraranpassung nach Jahresabschluss auszugleichen. Für 2024 liegt bisher weder eine gleichlautende Zusage vor, noch wurden die Zuweisungen des Landes an die Bezirke für die Musikschulen angepasst.