Rodungen und Ersatzpflanzungen

Maya Eckes
Grünflächen

Kleine Anfrage

1. Wie viele Bäume welchen Alters wurden im Bezirk Neukölln in den letzten 5 Jahren gefällt und wie viele neugepflanzt?

 

In den letzten fünf Jahren (Zeitraum: Juli 2017 bis Juli 2022) mussten 4.503 Bäume gefällt werden (1.427 Straßenbäume und 3.076 Anlagenbäume). In diesem Zeitraum gab es 936 Neupflanzungen (783 Straßenbäume und 153 Anlagenbäume). Der aktuelle Neuköllner Baumbestand liegt mit heutigem Datum bei 57.918 Bäumen.

2. Warum wurden dabei bisher keine wildtierfreundlichen Sträucher ausgewählt, wo Wildvögel brüten können, sondern Johannisbeersträucher und Felsenbirnen?

 

Die Anzahl der Neupflanzungen ist aus verschiedenen Gründen leider erheblich geringer als die Zahl der Fällungen:

Zahlreiche Baumpflanzungen in Neuköllner Parks wurden in den 1950er Jahren vorgenommen. Die damals gepflanzten Bäume haben teils ihre (unter städtischen Bedingungen) Lebenserwartung erreicht (z.B. Schwarzkiefern). Andere Arten, die an sich höhere Lebensalter erreichen können, wurden damals sehr dicht gepflanzt. Deren Standortbedingungen sind deshalb weniger günstig, so dass sie vorzeitig altern. Insbesondere der Klimawandel wirkt sich inzwischen als große Belastung für Gehölze aus. Hitze, Trockenheit und Extremwetterereignisse (Sturm, Starkregen) haben zur Schädigung einer ungewöhnlich großen Anzahl von Bäumen geführt. Auch Sekundäreffekte des Klimawandels wie etwa die Rückstrahlungswärme von Gebäuden und versiegelten Flächen beeinflussen den Baumbestand negativ. Hinzu kommen "neue" und/oder quantitativ stärker auftretende Schädlinge, Pilze, Viren und Bakterien wie z.B. der Eichenprozessionsspinner, Massaria-Pilzbefall bei Platanen und Linden, Pseudomonas-Bakterium an Rosskastanien. Intensivierter Straßen- und Baustellenverkehr führen zu weiteren Baumschäden. In diese Gruppen der Schädigungen gehört auch der Neubau von Gebäuden, eine große Anzahl unterirdischer Leitungsarbeiten und das Salzen der Fahrbahnen im Rahmen des Winterdienstes. Zusätzlich sind nicht alle "unbesetzten" Baumstandorte nachhaltig geeignet für die Neubepflanzung. Jeder einzelne Standort muss auf seine Eignung geprüft werden, damit Jungbäume längerfristige Entwicklungschancen haben. Die personelle und finanzielle Ausstattung des Straßen- und Grünflächenamtes (SGA) ist nach wie vor bei weitem nicht auskömmlich. Aus Sicherheitsgründen haben die Baumkontrolle, die Beseitigung von Totholz und letztlich auch die Baumfällung als Ultima Ratio Vorrang, infolgedessen bleibt leider wenig Kapazität für Neupflanzungen. Aufträge für Neupflanzungen können dazu nur dann vergeben werden, wenn die planerische Vorarbeit geleistet werden kann. Laut Baumschutzverordnung sind Baumfällungen in Grünanlagen von der Verpflichtung zu Ersatzpflanzungen ausgenommen. Trotz dieser Ausnahmeregelung strebt das Bezirksamt den Ausgleich der Verluste aus den vergangenen Jahren an und bedauert die negative Bilanz des Baumbestandes. Das Bezirksamt arbeitet intensiv daran, den seit Jahren andauernden Trend zu brechen und umzukehren. Hierfür laufen derzeit bereits in eine Gesamtstrategie eingebettete Reihe von Einzelmaßnahmen. Dazu gehören eine Verbesserung der Lebensbedingungen und damit den langfristigen Erhalt der Park- und Straßenbäume (etwa über das Förderprogramm „Klimaresiliente Hasenheide“ oder die Umsetzung der Baumleitplanung Schillerpromenade) ebenso wie die Neupflanzungen von Bäumen (neben der Stadtbaumkampagne  sind in 2022 auch größere Neupflanzungen auf den bezirklichen Friedhöfen vorgesehen). Für die kontinuierliche Neupflanzung von Straßenbäumen kann hoffentlich bald eine derzeit vakante Stelle nachbesetzt werden, um die erforderliche planerische Vorarbeit gewährleisten zu können. Gerne stelle ich die bezirklichen Planungen detailliert im zuständigen Ausschuss vor.

3. Wie viele der 300 von BzBM Hikel versprochenen insektenfreundlichen Sträucher sind bisher gepflanzt worden?

Eine generelle Bewässerung von Bäumen erfolgt im Bezirk Neukölln nur während der ersten drei bis fünf Standjahre im Rahmen der sogenannten Entwicklungspflege. Anschließend erfolgt für Straßenbäume eine bedarfsabhängige Bewässerung bis zum zehnten Standjahr - differenziert auf Grund von Erfahrungswerten und Messwerten mittels in Neukölln verwendeter Bodensensoren (s. Bewässerungsempfehlungen für Stadtbäume auf der Website des Pflanzenschutzamtes). Flächenhafte Bewässerung in Grünanlagen gibt es nur ausnahmsweise (z.B. punktuell anlässlich der gegenwärtig anhaltenden extremen Trockenheit).  An einzelnen Stellen im Bezirk (z.B. entlang der Späthstraße, Blaschkoallee, Weserstraße, Rungiusstraße) wird mit Sensoren die Bodenfeuchte gemessen, um Straßenbäume möglichst bedarfsgerecht mit Wasser zu versorgen. Daraus kann eine Wasserersparnis resultieren. Teilweise werden neu gepflanzte Bäume mit Wassersäcken versehen, die das Wasser allmählich abgeben (u.a. zurzeit am Hufeisenvorplatz). Wassersäcke können prinzipiell sinnvoll sein, ihre erfolgreiche Verwendung ist aber zeitaufwändig, denn sie müssen gepflegt werden (Reinigung der Säcke, Nachstechen der Wasseraustrittsstellen), beschädigungsfrei am Baum angebracht, regelmäßig im Hinblick auf starkes Ameisenaufkommen kontrolliert und im Winter abgenommen werden. Derzeit werden demgegenüber "Gießringe" aus Kunststoff bevorzugt, welche innerhalb kurzer Zeit viel Wasser aufnehmen und nach oben offen sind. Bei Straßenbaumaßnahmen wird zudem standardmäßig die Vergrößerung der vorhandenen sowie die Möglichkeit zur Neuanlage von ausreichend großen neuen Baumscheiben geprüft und wo möglich umgesetzt. Damit sollen die Standortbedingungen der Bäume so verbessert werden, dass diese nicht regelhaft auf zusätzliche Bewässerung angewiesen sind. Außerdem werden zunehmend gezielt solche Baumarten gepflanzt, die mit den veränderten klimatischen Bedingungen hoffentlich besser zurechtkommen. Wie bereits im Rahmen der Beratung des BVV-Antrages „Nutzung von Regenwasser aus Dachabläufen zur Bewässerung von Straßenbäumen“ (Drs. 0141/XXI) berichtet, stehen einer Nutzung des Regenwassers dann erhebliche rechtliche Hindernisse entgegen, wenn es um die Einleitung des Wassers von privaten auf öffentliche Grundstücke geht. Auch ist die Einleitung von Straßen wegen der Schadstoffbelastung nur im Fall gering befahrener Straßen zulässig. Das Bezirksamt befindet sich – wie angekündigt – dazu bereits im Dialog mit der Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz (SenUMVK), die bereits ebenfalls intensiv am Thema arbeitet. Der Bezirk Neukölln hat dabei seine Bereitschaft bekundet, am Prozess sowie ggf. an einem gemeinsam Pilot- oder Modellprojekt gerne mitzuwirken. Im Rahmen der Planungen für die "klimaresiliente Hasenheide" werden zudem die Möglichkeiten der Regenwassernutzung von angrenzenden öffentlichen Gebäuden (also eine Kooperation zwischen zwei öffentlichen Grundstücken) modellhaft geprüft. Das Bezirksamt begrüßt darüber hinaus ausdrücklich die Installation von Regenwasserbehältern auf privaten Grundstücken um den Einsatz von Trinkwasser zur Bewässerung zu reduzieren.

4. Wie viele Bäume welchen Alters und Sträucher wurden am Weigandufer, Wildenbruch- und Trusepark im Rahmen der bezirklichen Umgestaltung gerodet?

Von 2017 bis 2022 wurden am Wildenbruchplatz 11 Bäume gefällt. Es wurden zudem 26 Sträucher gerodet, vornehmlich im Bereich des Bolzplatzes. Weiterhin wurden entlang der Straße Wildenbruchplatz auf 650 m² Strauchpflanzungen mit Unter- und Wildwuchs gerodet. Auf dieser Fläche blieben jedoch alle erhaltenswerten Gehölze stehen. Ein Auslichten der Pflanzflächen, d.h. die Rodung nicht mehr vitaler Gehölze und des dort sich entwickelten Wildwuchses war aus fachlichen Gründen als Pflegemaßnahme notwendig. Andernfalls entstünden undurchdringliche Dickichte aus Waldrebe, Hopfen und Brombeere, die unter städtischen Bedingungen nicht unterhalten werden können. Von 2017 bis 2022 wurden am Weigandufer 10 Bäume gefällt. Es wurden Hecken auf insgesamt ca. 800 m² gerodet. Als auslösender Faktor muss hier der Platzbedarf für die Regenwasserversickerung anlässlich der Wegesanierung genannt werden. Auch hier war aber ein Wildwuchs festzustellen, der ebenfalls entsprechende Pflegemaßnahmen begründet hätte. Im Trusepark wurden von 2017 bis 2022 drei Bäume gefällt. Es wurden ca. 1.660 m² Hecken gerodet. Aufenthaltsflächen für die eigentliche Nutzung einer Grünfläche als Erholungsort waren kaum mehr vorhanden. Der Eingriff war fachlich geboten, um die weitere Ausbreitung der sehr dichten Vegetation im Sinne Nutzer*innen zu begrenzen.

5. Welche Möglichkeiten sieht das Bezirksamt, angesichts des hohen Wasserverbrauchs und –einsparpotentials, alternativ zu wässern und Wasser zu sparen, z.B. durch Regenwasserbehälter?

 

Die Pflanzung von 300 Sträuchern wurde von Herrn Bezirksbürgermeister Hikel im Zuge der Umgestaltung des Weigandufers (zwischen Weichselplatz und Innstraße) zugesagt. Insgesamt wurden 306 Sträucher gepflanzt und zwar:

  • im Bauteil A (zwischen Weichselplatz und Wildenbruchstraße): 44 Heckenkirschen, 13 Weißdorn, 42 Liguster, 4 Feldahorn, 26 Hartriegel
  • im Bauteil B (zwischen Wildenbruch und Innstraße): 66 schwarze Johannisbeeren, 75 rote Johannisbeeren (beide Arten wurden in Gruppen zu drei Sträuchern gepflanzt), 10 Felsenbirnen, fünf Berberitzen, sechs Weinrosen und fünf Hundsrosen.

Im Rahmen der Umgestaltung des Wildenbruchplatzes wurden außerdem 43 diverse Gehölze in Gruppen und 1.240 Stück Weiße Polster-Spiere (Spirea decumbens) als Bodendecker gepflanzt. Am Truseplatz wurden 1.193 Sträucher gepflanzt. Leider wurden viele Sträucher von Passant*innen entnommen, andere wurden durch Trampelpfade zerstört.

6. Sofern mehr Bäume und Sträucher in den letzten 5 Jahren gerodet als gepflanzt wurden, warum gibt es so wenig Ersatzpflanzungen in Neukölln?

Auf dem Wildenbruchplatz und am Weigandufer wurden neben den beiden in der Anfrage genannten Sorten noch 12 weitere Sorten von Gehölzen gepflanzt, die wildtierfreundlich (für Insekten und Vögel) sind. Die gepflanzten Gehölze wie z.B. Felsenbirne, Johannisbeere, Holunder, Liguster, Hartriegel, Hundsrose sind für viele Singvögel (Rotkehlchen, Nachtigall, Haussperling usf.) Brut- und Nahrungshabitate (vgl. Animal Aided Design 2015). Zur Ergänzung der Potenziale, die die Gehölze bieten, wurden fünf Nistkästen aufgehängt. Zudem leisten mehrere tausend neu gepflanzter Stauden und Gräser einen wichtigen Beitrag zum Thema Insektenfreundlichkeit.